Revival Team Vogelsang: Harald Grohs erlöst die Traditionalisten-Formation auf dem Nürburgring.

Eine ganz starke Vorstellung des 74-Jährigen: Harald Grohs, gebürtiger Essener, Rennfahrer-Legende, Damen-Dompteur, Wahl-Mallorquiner – und Stammfahrer im Revival Team Vogelsang – machte den 46. AvD-Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring zu seiner Bühne. In einer bravourösen Vorstellung sicherte er sich und seinem Teamgefährten Ralph Bahr nicht nur den hervorragenden zehnten Gesamtrang bei den stark besetzten Tourenwagen Classics, sondern vor allem den Sieg in der Klasse 3 der Original-Fahrzeuge der DTM-Gruppe A. Für die neu ins Rennen gegangene Traditionalisten-Formation aus Recklinghausen war es eine Erlösung. Denn noch beim letzten Einsatz auf dem Eifelkurs im Juni 2018 war einer der seltener werdenden Vierzylinder-Vierventilmotoren zu Bruch gegangen. Die Konsequenz für die Mechaniker: ein Wettrennen mit der Zeit.

Rückblende: Am Samstag, den 16. Juni 2018, hielten Freunde, Helfer und Mitglieder des neu gegründeten Revival Teams Vogelsang aus Recklinghausen den Atem an. Im zweiten Qualifikationstraining rollte Rennfahrer-Legende Harald Grohs (74, Essen) mit dem 1987 von ihm selbst gefahrenen BMW M3 E30 aus. Die Diagnose: kapitaler Motorschaden aus ungeklärter Ursache. Ein Pleuel schlug durch das Kurbelwellen-Gehäuse und beschädigte dabei sogar den aufwändig bearbeiteten Zylinderkopf. Beim 319 PS leistenden Original-Aggregat war so ziemlich nichts mehr zu retten. “Und so begann unsere Reise”, beschreibt Teaminitiator Ralph Bahr die Situation in den Tagen danach. “Uns allen war bewusst, dass für den Aufbau eines komplett neuen Motors mitten in der Saison die Zeit nicht reichen würde. Folglich begaben wir uns auf die Suche nach einem guten gebrauchten Aggregat – was heute auch nicht mehr so leicht ist. Inzwischen sind viele Teile und Komplettmotoren nicht mehr am Markt.” Als ein echter Glücksfall erwies sich der Hinweis eines jungen Sportfahrer-Kollegen aus dem CHRSN, des Clubs Historischer Renn- und Sportfahrzeuge Nürburgring. Er wusste um ein 1990 im MM Diebels Team von Günter Murmann und Udo Wagenhäuser im grün-goldenen BMW M3 E30 eingesetztes Triebwerk, das im revidierten Zustand zu haben war. Ralph Bahr schlug sofort zu – in dem Wissen, dass die technische Konfiguration vom Ausgangszustand abweichen und zeitaufwändige Anpassungsarbeiten nach sich ziehen würde. Doch Frank Depta nebst Mitarbeitern von Derichs Rennwagen in der Eifelstadt Mayen nahm die Herausforderung an. Mit dem 46. AvD-Oldtimer-Grand-Prix als Zieltermin vor Augen, begaben sie sich an die Applikation des schlussendlich mit 305 PS auf dem Leistungsprüfstand gemessenen Reihen-Vierzylinders mit der in Fankreisen wie eine Hymne memorierten Typbezeichnung S14.

Um es vorwegzunehmen: Der Reservemotor sprang nicht nur tadellos an, er lief auch sofort zur Höchstform – trotz 14 PS Leistungsmanko im unmittelbaren Vergleich mit dem vorherigen Treibsatz. Harald Grohs und Ralph Bahr waren wieder guter Dinge – um, am Nürburgring angekommen, gleich noch einmal durch die (in der Hocheifel für gewöhnlich grüne) Hölle geschickt zu werden. Nachdem Grohs im freien Training mit schnellen Rundenzeiten unter zwei Minuten aufhorchen ließ, ging im ersten Qualifying der kürzlich erst neu verbaute Potentiometer entzwei – einmal mehr am Abschleppseil zurück ins Fahrerlager, einmal mehr Sonderschicht für die Mechaniker, einmal mehr ein Startplatz auf den hinteren Rängen, der aus vier gezeiteten Umläufen im ersten Qualifikationstraining immerhin noch zu verzeichnen war. Vor dem sonntäglichen Rennen über 40 Minuten kam es im Fahrerlager noch zu einem emotionalen Come Together mit Fotosession, bei dem Harald Grohs inmitten ehemaliger Einsatzautos der Marke BMW Position bezog. Neben dem 1987 in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) gefahrenen Vogelsang-M3 E30 zog auch der zehn Jahre ältere Gruppe-5-320i aus der Deutschen Automobil-Rennsportmeisterschaft 1977 die Blicke auf sich. Dasselbe galt für Prinz Leopold von Bayern, der ebenfalls im Revival Team Vogelsang einen BMW M3 E30 pilotiert. Dabei handelt es sich um sein eigenes, ab dem Flugplatzrennen Mainz-Finthen 1989 im Team von Udo Wagenhäuser in den Sponsorfarben einer großen Versicherung eingesetztes Exemplar. Nach zweijähriger Restauration kehrte er Ende Mai auf dem Lausitzring erstmals in sein damaliges Cockpit zurück, auf dem Nürburgring erlebte er den zweiten Auftritt. Olaf Manthey und Rennfahrer-Sohn Jonathan Cecotto vertraten ihn in der Zwischenzeit bei den Nürburgring Classics vom 15. bis 17. Juni. Ralph Bahr plante beim Oldtimer-Grand-Prix einen Doppelstart sowohl mit “Poldi” von Bayern als auch mit “Nippel” Grohs. Die Strategie: Im schwarzen Vogelsang-M3 wollte der Wiesbadener Unternehmer (48) beginnen, um dann zur Rennmitte in den blau-weißen Signal-M3 umzusteigen.

Nach einem unverschuldeten Dreher seiner Königlichen Hoheit auf dem Öl eines anderen Rennteilnehmers mit daraus resultierendem Folgeschaden war allerdings vorzeitig Feierabend für Ralph Bahr, im Zweitwagen kam er gar nicht erst zum Zuge. Statt dessen wurde er Zeuge, wie Harald Grohs im schwarzen M3 des Jahrgangs 1987 nach der Übergabe regelrecht brillierte. Mit regelmäßigen Rundenzeiten unter zwei Minuten trieb er den – im unmittelbaren Vergleich mit den technisch freizügigeren Gruppe-H-Tourenwagen der Klasse 2 sowohl schwereren als auch weniger PS-starken – Vogelsang-BMW bis auf den zehnten Gesamtrang nach vorne. Gleichzeitig bescherte seine tadellose Leistung dem Recklinghäuser Revival Team den ersten Klassensieg in der Wertungsgruppe 3 der Gruppe-A-Tourenwagen. Mehr noch: Nun sind er und Ralph Bahr in den verbleibenden drei Läufen wieder im Titelrennen! “Wir können noch Meister werden”, freute sich Ralph Bahr denn auch im Ziel. “Harald hat sich mit seiner besonderen Mischung aus Routine und Kampfgeist gegen äußerlich gleiche M3 durchgesetzt, die in Wirklichkeit 150 Kilogramm leichter sind und bis zu 50 PS mehr unter der Haube haben. Diese Vorstellung ist gar nicht hoch genug einzuschätzen, wir sind überglücklich und danken der gesamten Mannschaft, all unseren Mechanikern, Freunden und Helfern!”

Das nächste Rennen findet am ersten Septemberwochenende auf dem Dünenkurs im niederländischen Zandvoort statt. Dann ist möglicherweise auch “Liesal”, der 1986 in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft eingesetzte Vogelsang-BMW 325i, wieder mit von der Partie. Beim 46. AvD-Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring lief der einstige Dienstwagen Olaf Mantheys in den Gleichmäßigkeitsprüfungen des Tourenwagen Revivals mit. Ralph Bahr saß auch hier am Volant, um den Entwicklungsprozess des ebenfalls neu aufgebauten Zeitzeugen voranzutreiben.

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome Netzwerkeins

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