Resume 3. Lauf Tourenwagen Classics 2018 am Nürburgring

ennbericht Tourenwagen Classics 2018 – 3. Lauf Nürburgring GP Strecke 2018

Ergebnisse vorab:

Fotos:

Olaf Manthey – konzentriert vor dem Start

Boxenstopp Poldi M3

Fahrerwechsel Seesing – Cecotto

Boxenstoppe

Einführungsrunde

Gerhard Füller – schneller Opel

Podium

Alex Schmidt und Ferdi Weischenberg

P1 Gruppe A: Marc Seesing, Johnny Cecotto

Glückliches Ende für Titelverteidiger Thorsten Stadler

Dieser dritte Lauf in der dritten Saison der Tourenwagen Classics wird lange in Erinnerung bleiben. Dafür sorgt nicht nur die dramatische Schlussphase mit einem überraschenden Ergebnis, sondern auch die Entwicklung in den Tagen vor dem Wochenende: Viele Monate freuten sich die Teams, Fahrer und nicht zuletzt Zuschauer auf das erste Nordschleifen-Rennen der Serie: Nach 25 Jahren – 1993 fand der letzte DTM-Lauf auf der Nordschleife statt – sollten die ehemaligen DTM-Autos mit den Supertourenwagen aus der STW und der britischen Tourenwagen-Meisterschaft auf die schönste Rennstrecke der Welt zurückkehren. Die meisten Autos waren eigens für die einmalige Strecke in der Eifel vorbereitet worden. Anderthalb Wochen vor dem Rennwochenende sagten die Organisatoren der Nürburgring Classic den Auftritt ab: Immerhin gab es für die Tourenwagen Classics ein Zeitfenster auf dem Grand-Prix-Kurs.

Doch zunächst sieht alles nach einer klaren Angelegenheit für Lausitzring-Sieger Stefan Rupp aus: Mit seinem Alfa Romeo 155 V6 TI (1996, Ex-Fisichella) dominiert der Landshuter alle Trainingssitzungen. Das Rennen beginnt allerdings mit einem kurzen Schreckmoment: Der V6 geht zu Beginn der Einführungsrunde aus und erst, als das komplette Feld den Alfa passiert hat, setzt sich das Allradauto in Gang. Rupp fährt zurück in die Pole Position und kassiert dafür eine Durchfahrtsstrafe, die ihn kurzzeitig auf den dritten Platz zurückwirft.

Die Spitzenreiter scheitern an der Technik
Nach dem klug gewählten Zeitpunkt für den zweiminütigen Pflichtboxenstopp übernimmt der Alfa-Pilot wieder die Führung. Im Gegensatz zu Rupp kämpft Jörg Hatscher in seiner Mercedes-C-Klasse (1996, Ex-Magnussen/Montoya/Zonta) während des ganzen Wochenendes mit Hindernissen: Im ersten Qualifying fällt er aus – Auslöser ist ein defekter O-Ring – und in der Startaufstellung wird er drei Plätze zurückversetzt, weil er die Boxenauffahrt-Linie überfahren hat. Der Oldenburger liegt auf dem zweiten Platz, als rund 14 Minuten vor Rennende der Showdown beginnt: Eingangs der Dunlop-Kehre schaltet sich die Technik wie im Training ohne Vorankündigung ab. „An der gleiche Stelle wie vorgestern“, berichtet Hatscher ratlos und mutmaßt: „Wahrscheinlich liegt das am eilig eingebauten Getriebe.“

Eigens für die Nordschleife hatte der Mercedes-Spezialist seine C-Klasse auf ein neues Getriebe umgerüstet und alle anderen zur Revision geschickt. Nach der kurzfristigen Verlegung des Rennens auf den Grand-Prix-Kurs orderte er schnell ein herkömmliches Getriebe zurück. Fast an der gleichen Stelle wie Hatscher rollt fünf Runden später Stefan Rupps Alfa auf dem Gras aus. Das linke Vorderrad hat sich gelöst. „Das hat sich nicht angekündigt“, ärgert sich Rupp, der nach Hatschers Ausfall mit großem Vorsprung in Führung gelegen hat. Damit müssen die beiden Punktbesten in der Meisterschaftszwischenwertung zuschauen, wie der Spitzenplatz beim dritten Saisonlauf neu besetzt wird.

Überraschungen auf dem Siegerpodest
Die Tabellenspitze der Tourenwagen Classics erbt der Titelverteidiger Thorsten Stadler in seiner 94er-C-Klasse (Ex-Ellen Lohr): Er gewinnt den dritten Lauf souverän mit fast einer Minute Vorsprung. Dahinter feiert Alexander Schmidt mit dem rund 300 PS starken Renault Laguna (Ex-Alain Menu) die beste Platzierung eines Zweiliter-Piloten bei den Tourenwagen Classics. Schmidt, der in dieser Saison auf den ehemaligen Werkswagen aus der BTCC gewechselt ist, hat sich über mehrere Runden ein Windschatten-Duell mit Gerhard Füller im Opel Vectra (1998, Ex-Klaus Niedzwiedz) geliefert. Als Füller mit einem Getriebeschaden ausscheidet, übernimmt der Renault-Pilot aus Unna kampflos die erste Position in der Klasse und wird mit seinem bildschönen Laguna starker Gesamtzweiter. In der hart umkämpften Zweiliter-Klasse fahren Bernd Knoch und Timo Hochwind im BMW 320i (1994, Ex-Peter Kox) auf den zweiten Platz vor. Yannick Trautwein, der Vorjahresbeste in der Klasse, muss seinen Werks-BMW aus der STW-Saison 1995 nach zehn Runden abstellen.

Den dritten Platz im Gesamtklassement erobert Stephan Piepenbrink im BMW M3 E30 (1990), eine Replika von Robert Ravaglias DTM-Meisterauto von 1989. In den letzten Runden wird der M3 von Marc Hessel in Piepenbrinks Rückspiegel immer größer und der kämpft, um seine Position zu behaupten. „Ich wusste nicht, auf welchem Platz ich lag und dass Marc bereits überrundet war“, fasst Piepenbrink überglücklich zusammen. Auch der Münchner hatte sein Auto für den Nordschleifen-Einsatz vorbereitet. „Eigentlich war das Fahrwerk meines Autos für den Grand-Prix-Kurs viel zu hoch eingestellt“, erklärt er. Trotzdem kann er seine M3-Mitstreiter Sjaco Griffion sowie Marcus und Michael Menden auf die Plätze hinter ihm verweisen.

Aufholjagd von Johnny Cecotto
Auf einem weiteren BMW M3 kommt Johnny Cecotto als bester ehemaliger DTM-Profi ins Ziel. Gemeinsam mit dem Fahrzeugbesitzer Marc Seesing wird der in Starnberg lebende Venezolaner Gesamtsechster und kann sich über den Klassensieger-Pokal freuen. Das BMW-Team glänzt im Rennen mit einer starken Aufholjagd: Vom 13. Startplatz aus machen Cecotto und Seesing sieben Plätze gut. Der dreimalige DTM-Champion Klaus Ludwig, der mit seinem Nordschleifenduell 1992 gegen Cecotto DTM-Geschichte geschrieben hat, wird mit Gerbert Luittikhuis in dessen Mercedes 190E Evo 2 (1990) Gesamtachter. Lange mischen auch Christian Menzel und Marc Hessel mit ihrem M3 (1988, Ex-Werksauto) im Vorderfeld mit. Doch das Team von Automotive 2.0 erlebt eine große Enttäuschung. „Wenn ich die Rundenzeiten sehe, wäre heute ein Top-Ergebnis drin gewesen“, resümiert Teamchef Sebastian Küppers, der den BMW in über zweijähriger Arbeit mit viel Engagement restauriert hat.

Um auf Nummer Sicher zu gehen, verwendet Küppers für den Nürburgring nagelneue Radmuttern für die Zentralverschlüsse. Aber beim Boxenstopp verklemmt sich die Nuss des Schraubers auf der Zentralmutter und das Team verliert über sechs Minuten, bis das Auto weiterfahren kann. Im Ziel werden Menzel und Hessel mit zwei Runden Rückstand nur Gesamt-14. „Ein produktiver Materialfehler ist schuld“, ärgert sich Küppers. Doch der Düsseldorfer ist für die nächsten Rennen zuversichtlich: „Nach den Temperaturproblemen beim Auftakt in Hockenheim, mit denen dort viele gekämpft haben, steigern wir die Leistung unseres M3 langsam und haben noch nicht alles abgerufen.“ Bis zum nächsten Saisonlauf beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix vom 10. bis 12. August an gleicher Stelle bleiben allen Teams ein paar Wochen Zeit für die Fehlersuche und die Vorbereitung auf die entscheidende zweite Saisonhälfte.

 

Tourenwagen Classics

Ergebnis (3. Lauf Nürburgring, Grand-Prix-Kurs: 5,137 km)

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