2. Lauf DTM Lausitzring

Alfa-Pilot Stefan Rupp glänzt auf der DTM-Bühne mit Start-Ziel-Sieg

Diese Dominanz hätten sich Sandro Nannini und das gesamte Werksteam Alfa Corse schon für die ITC-Saison 1996 gewünscht: Im Qualifikationstraining ist Stefan Rupp im Ex-Werks-155 V6 über drei Sekunden schneller als der Trainingszweite Jörg Hatscher in der Mercedes-AMG C-Klasse. Der Lausitz-Dominator verfügt über den ITC-Alfa in der letzten Evolutionsstufe mit dem 490 PS starken 90-Grad-Motor und Wippenschaltung, der 1996 erst in der zweiten Saisonhälfte einsatzbereit war. Zu spät, um gegen den kommenden Meister Manuel Reuter im Opel Calibra und Mercedes-Toppilot Bernd Schneider noch etwas auszurichten.

Rund 22 Jahre später zeigt der Hightech-Alfa mit Allradantrieb seine Extraklasse: Im 40-Minuten-Rennen der Tourenwagen Classics gleich im Anschluss an den DTM-Rennen am Sonntag distanziert der Alfa-Pilot aus Landshut im Ex-Werksauto von Giancarlo Fisichella die weiße C-Klasse von Hatscher, ebenfalls ein ITC-Auto von 1996, um 43 Sekunden. Am Steuer der AMG-Rakete mit dem rund 500 PS starken V6-Triebwerk saßen damals Jan Magnussen, Juan Pablo Montoya und Ricardo Zonta.

Aber auf dem Lausitzring ist Alfa-Pilot Rupp im Rahmen des zweiten DTM-Laufs so schnell, als wollte er nicht nur seine Mitstreiter sondern auch dem schwarzen Schatten des Vorjahres davon fahren. Beim Auftritt im Rahmen des DTM-Rennens auf dem Norisring und beim Saisonfinale auf dem Hockenheimring machte ihm damals die sensible Technik des italienischen Hightech-Tourenwagens einen Strich durch die Rechnung und verhinderte die Meisterschaft. Über den Winter hat das Team der Scuderia GT in Irschenberg dem roten Renner die nötige Zuverlässigkeit beschert: Nach dem zweiten Platz beim Auftakt in Hockenheim gewinnt Rupp jetzt den zweiten Saisonlauf. Der 48-jährige Bayer unterstreicht mit der souveränen Leistung seine Favoritenrolle für die Meisterschaft in der dritten Tourenwagen Classics-Saison.

Besseres Händchen beim Boxenstopp
Rupp gewinnt den Lauf im Rahmen der DTM allerdings auch deshalb so überlegen, weil er mehr Glück bei seinem Pflichtboxenstopp hat. Er biegt während einer Safety-Car-Phase zur Rennhälfte in die Boxengasse ab. Dadurch verliert der Alfa-Pilot weniger Zeit als Jörg Hatscher. Als der Oldenburger eine Runde später zum Stopp hereinkommt, wird das Rennen wieder freigegeben. Während Hatscher seine Zeit an der Box abwarten muss, ist das Feld auf der Strecke mit Stefan Rupp an der Spitze wieder im Renntempo unterwegs.

Für den Einsatz des DTM-Safety-Cars hat der erstmals eingesetzte BMW M3 von Dr. Michael Vogt und Prinz Leopold von Bayern gesorgt. Das Auto in der Signal Iduna-Lackierung ist am Rand der Strecke stehen geblieben. Als sich der Streckensicherungswagen des DMSB zum Abschleppen nähert, gelingt es Vogt, den M3 wieder in Bewegung zu setzen. Happyend für den Ex-BMW-Werksfahrer Poldi von Bayern: Der Wittelsbacher kann das Cockpit seines Ex-Einsatzwagens aus der DTM-Saison 1988 doch noch übernehmen.

DTM-Legenden starten in der Tourenwagen Classics
Der adelige Ex-DTM-Pilot kann das Rennen zu Ende fahren, wenn auch mit Rundenrückstand. Damit endet das Wochenende für den Botschafter der Rennserie glücklicher als für ehemalige Fahrerkollegen wie Olaf Manthey (Vogelsang-BMW 325i) oder Kurt Thiim (Mercedes-Benz 190E Evo 2), die nach Defekten aufgeben müssen.

Auch die Technik des BMW M3 von Christian Menzel und Marc Hessel, DTM-Vizemeister von 1987, bereitet Sorgen. Nach ihrem Ausfall in Hockenheim wollten sie den in vielen Jahren restaurierte Renntourenwagen von 2.0 Automotive aus Düsseldorf zunächst nicht auf dem Lausitzring einsetzen. Doch das Team um Sebastian Küppers hat den M3 mit einer Energieleistung noch einsatzbereit gemacht. Zwar sind Menzel und Hessel das ganze Wochenende über mit einem strengen Blick auf die Öltemperatur im Schongang unterwegs, aber sie erreichen das Ziel als Gesamtachte vor Ralph Bahr und Harald Grohs im Vogelsang-BMW M3. Es ist das Einsatzauto von Grohs aus der DTM-Saison 1987.

Heiße BMW-M3-Duelle beim DTM-Auftritt
Der Gruppe-A-Klassensieg geht allerdings nach Holland: Marc Seesings engagierter Zweikampf in seinem BMW M3 gegen den Modellkollegen Christian Menzel in der ersten Rennhälfte zahlt sich aus. Der 49-jährige Lochemer erkämpft sich den siebten Gesamtplatz und kann über den Pokal für den Klassensieger jubeln. In der Gesamtwertung hat er allerdings keine Chance gegen die flinken Zweiliter-Supertourenwagen (STW). Die rund zehn Jahre jüngeren Rennautos trumpfen in der Lausitz überraschend stark auf.

Als schnellster Zweiliter-Fahrer setzt Gerhard Füller schon im Qualifying ein Ausrufezeichen: Mit seinem von ihm erstmals eingesetzten Opel Vectra, ein Ex-STW-Auto von Holzer Motorsport von 1996, erobert er den vierten Startplatz und startet aus der zweiten Reihe neben Titelverteidiger Thorsten Stadler mit einem Mercedes-AMG C-Klasse von 1994. Im Rennen verliert der Opel-Pilot nach einem kleinen Rutscher zunächst die Führung in der Klasse. Doch der 48-Jährige aus Stadtallendorf erobert sich die Führung kurz später gegen Alexander Schmidt im Renault Laguna wieder zurück.

Mit dem Opel-Blitz aufs Podium
Füller ist im Ziel sogar der schnellste Verfolger von Stefan Rupp im Klasse-1-Alfa und wird als Gesamtzweiter abgewinkt. Doch wegen einer nicht absolvierten Drive-Through-Penalty kassiert er eine Zeitstrafe und wird als Dritter gewertet. Mit 13,6 Sekunden Vorsprung verweist er den Vorjahresmeister Stadler auf den vierten Gesamtplatz. Dahinter bleibt Hockenheim-Klassensieger Schmidt im Ex-Auto von Alain Menu aus der Britischen Tourenwagen-Meisterschaft (BTCC) nur der fünfte Platz vor dem Tourenwagen-Classics-Youngster Timo Hochwind und Bernd Knoch im BMW 320i.

Jetzt rüsten sich die Teams der Tourenwagen Classics auf einen weiteren Saisonhöhepunkt: Vom 15. bis 17. Juni sind die ehemaligen DTM/ITC- und STW/BTCC-Autos auf der Nordschleife zu erleben. Beim Nürburgring Classic geht es beim dritten von sieben Meisterschaftsläufen zur Sache. Mit Klaus Ludwig und Johnny Cecotto haben sich zwei Ex-DTM-Piloten angekündigt, die beim letzten Lauf der Tourenwagen-Topserie 1993 dabei waren. Außerdem hofft Mercedes-Pilot Jörg Hatscher dank seiner Nordschleifen-Erfahrung auf einen Vorteil beim Kampf um die Meisterschaftspunkte.

 

Tourenwagen Classics

Ergebnis (2. Lauf Lausitzring, Grand-Prix-Kurs: 4,57 km)

 

Gesamtwertung

  1. Stefan Rupp (D), Alfa Romeo 155 V6 TI ITC, 41:29.708 Min. (132,160km/h)
  2. Jörg Hatscher (D), Mercedes-Benz AMG C-Klasse ITC, + 42.768 Sek.
  3. Gerhard Füller (D), Opel Holzer Vectra STW’96, + 45.385 Sek.

Pole Position: Rupp, 1:52,644 Min.; Schnellste Runde: Rupp, 1:52,516 Min.

 

Klassensieger

Klasse 1 (DTM/ITC): Stefan Rupp

Klasse 2 (DTM-Gruppe H/DTM): kein Teilnehmer in Wertung

Klasse 3 (Zweiliter: STW/BTCC): Gerhard Füller

Klasse 4 (DTM-Gruppe A): Marc Seesing (NL), BMW M3

Klasse 5 (Gruppe N): Ferdi Weischenberg (D), Mercedes-Benz 190E 2.3 16V (DTC)

 

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